Der nachfolgende Text über das Mariental ist dem Unterzeichner etwa Mitte der neunziger Jahre von Herrn Günter Heinold, Hütermühle, Endschütz übergeben worden. Herr Heinold hat diese, seine Erinnerungen noch vor der Wiedervereinigung abgefasst.


Das Mariental

Das Tal, unterhalb von Rittergut und Herrenhaus bis zum Eintritt ins Fuchstal mit seinen zum Teil steilen und felsigen Abhängen und seinen hochgewachsenen Laubbäumen nennt man das Mariental.  Es verdient und verdankt den Namen der Pfarrerstochter und Heimatdichterin Mariea Clausnitzer, die in diesem kühlen und schattigen Tal ihre heimatlichen Gedichte geschrieben hat.
Das kleine Bächlein, das es durchfließt, hat sein Quellgebiet im Borntal und läuft durch den Dorfteich, bekommt in den darunter liegenden Grundstücken und dem Küchenteich noch Zulauf durch einige Quellen.
Zur Zeit des Rittergutsbesitzers Commerzienrat Karl Sieber war das Mariental ein schönes gepflegtes eingezäuntes mit Bänken und Fußwegen ausgestattetes Grundstück. (Park) Nach alljährlichem Frühjahrsputz blühten Blumen und Hecken das ganze Jahr. Angefangen bei den Wildblumen wie Veilchen, Schlüsselblumen, Märzenbecher, Schneeglöckchen, Zierblumen und Sträuchern bis zu den späten Herbstblühern.
Unterhalb des Herrenhauses war ein kleiner Teich mit Karpfen und anderen Fischen. Gegenüber „an der Kleewand", hatte sich Sieber eine Gruft erstellen lassen mit gepflegter Anlage. Karl Sieber und seine Ehefrau Elisabeth geb. Hermann aus Schloss Posterstein sind dort beigesetzt. Im Schatten der hohen Bäume eine würdige Ruhestätte.


Sieber hatte auch in dem Gelände 2 Rehe laufen. Die Tiere wurden zusätzlich gefüttert und hatten Schutz in einem kleinen Stall. Durch Blitzschlag wurden die Tiere getötet.





In der oberen Hälfte der Parkanlage hatte Sieber, „zum Gedenken an Mariea Clausnitzer", ein kleines Denkmal erstellen lassen, etwa 1 '/z bis 2 Meter hoch. Das Denkmal versinnbildlichte ein Mädchen, welches auf dem linken Arm eine Schüssel mit Früchten hielt, die sie mit der rechten Hand verteilte.
Nach dem 2. Weltkrieg 1945 wurde das Denkmal von jugendlichen Burschen umgeworfen und zerschlagen.

Das Unwetter mit Hochwasser am 24.5.1975, das auch das Mariental mit verwüstete, hat die Trümmer ins Fuchstal abgetrieben. Der untere Teil mit den Füßen bis zu den Knien lag am anderen Tag im Mühlgraben. Das war das Ende.

Alle Wanderer und Bürger von Endschütz konnten sich an dieser Anlage erfreuen, wenn sie auf dem Jahrhunderte alten Fußweg vom Fuchstal über die Kleewand ins Oberdorf liefen oder umgekehrt in den Wald und nach Großdraxdorf usw.
Im Sommer und Winter war das Mariental ein Asyl für Vögel, Eichhörnchen, Kaninchen usw. Was noch bleibt, ist nur noch ein gutes Gedenken.

Soweit die Ausführungen von Herrn Heinold, den ich noch aus meiner Zeit in Endschütz von 1947 bis 1949 kannte und den ich sehr geschätzt habe.

Ergänzend dazu noch folgende Anmerkungen:
Im Zeitraum 1947/49 stand die Statue, sie war nach meiner Erinnerung vielleicht 1,5 m hoch, noch dicht an dem erwähnten kleinen Parkteich auf der Seite zum Haus. In dem heißen, trockenen Sommer 1947 konnte man in dem Teich noch baden.


Durch einen Zufall bekam ich 2001 von einem Herrn Groebke aus Fürstenau, Bayern, einige Fotos aus dem Jahre 1941, er war in den Sommerferien mit seiner Mutter in Endschütz, die mit meiner Tante Marie Fricke das Lyzeum in Sondershausen besucht hatte. Unter den Fotos war auch dieses mit der Marienstatue. Sie trägt allerdings keine Schüssel mit Früchten, sondern in der rechten Hand einen Krug, Mir selbst fehlt da eine konkrete Erinnerung.

Albrecht Fricke